Sommernachtsfest 2022: Nach dem Fest ist vor dem Fest

Autor Marianne Wydler, Regina Gold, Dorothée Riederer

Datum 17.08.2022

«Wann geht das Fest endlich los? Nach der Schule?» fragten die Kinder am 17. August, als sie am Morgen vor dem Tageshort das Zelt des Bullridings sahen. «Nach dem Mittagessen?» «Nein, wir müssen warten, bis auch die Oberstufe keine Schule mehr hat.» Trotz Spielen und Basteln ging die Zeit jedoch kaum vorbei.

Mit dem Eintreffen der ersten Eltern und Geschwister war dann für die Kinder klar, endlich mit dem Parcours loslegen zu können. Auch als Gäste eingeladen waren die Schutzsuchenden aus der Ukraine, welche zurzeit im Internatsgebäude Haus Blau leben.

Knifflige Parcours und ein wilder Bulle

«Alle wieder einsammeln und nochmals werfen!» Beim Frisbee-Posten wurden die erzielten Punkte laufend addiert. Bereits die Kleinen warfen sehr geschickt. Wer traut sich am nächsten Posten auf den Bullen? Nur schon das Hinaufklettern erforderte Kraft. Doch der Stier bewegte sich erst, nachdem man sich am Widerrist an einem zuvor herausgezogenen Knauf festhielt. Schwierig! Umso mehr strahlten dann die reitenden Cowboys und -girls, welche früher oder später auf der weichen Matte landeten.

«Wonach riecht es hier?» An einem langen Tisch schnupperten alle konzentriert an Döschen. «Logisch, nach Vanille!» Schwierig herauszufinden war die Rose und bei der Zwiebel entwich manchen ein «bäääh». «Was sieht man auf diesen Bildausschnitten?» Während die Erwachsenen noch mit zusammengekniffenen Augen überlegen mussten, erkannten die Kinder bereits die Lösung und alle wollten sie zuerst nennen.

Beim Wasser-Parcours galt es, mit zwei gefüllten Gefässen erst über eine Rampe und dann einen Slalom zu laufen, das Wasser in einen Eimer zu leeren, zurückzukehren und die Gefässe zu übergeben. Aus lauter Eifer verschütteten manche Kinder Wasser, andere gingen es ruhig an und konnten umso mehr transportieren. Je höher der Wasserpegel, desto mehr Punkte erzielte ein Team.

Im Voraus hatte eine Sozialpädagogin den Wohngruppen die Spielregeln und Fotos zu den Spielposten verteilt. Damit konnten Kinder, welche Mühe damit bekunden, neue Eindrücke zu filtern, aufs Fest vorbereitet werden. Was diesen Kindern half, sich bei den Posten zurechtzufinden, löste allgemein Freude aufs Fest aus.

Glacé-Box auf Rädern und andere Leckerbissen

Nach dem Parcours winkten Traumbauer Ron Dideldum mit seinen Zauberkünsten und seine Assistentin, welche die Kinder originell schminkte. Am Glacé-Wagen konnten die Kinder nun ihren Bon einlösen. Den Anhänger mit Kühlbox hatten Oberstufenschüler im Werken und in der Freizeit restauriert. Die Schweizerische Vereinigung der Eltern hörgeschädigter Kinder SVEHK stellte den Eltern an ihrem Stand die Angebote der Selbsthilfegruppe vor, und die Kinder freuten sich über einen Ballon mit einem fröhlichen Gesicht.

Nach dem Abendessen lockte das Dessertbuffet mit weiteren Leckerbissen. Ein Junge, der sich neben einem gehörlosen Kind etwas Süsses auswählte, bemerkte: «Ich glaube, es gefällt ihm, seine Augen strahlen so stark!». Vielleicht fragten sich manche Gäste, wie es er Küche und der Ökonomie stets gelinge, die über 400 Personen ohne langes Anstehen an den Essensstationen zu bedienen. Gemäss Küchenchef Heinz Rub beherzigten beide Bereiche das Motto «nach dem Fest ist vor dem Fest» und hielten die Erfahrungen im Hinblick aufs nächste Mal jeweils zeitnah fest.

Als das Wetterleuchten begann, zügelte die vierköpfige Band Happy Castle Express unter ein schützendes Dach, wo ihre Bluegrass-Songs - traditionelle Musik aus den Staaten - weiter erklangen. Der Regen setzte dann einige Minuten zu früh ein. Denjenigen, die bei den Aufräumarbeiten nass wurden, sei besonders gedankt!

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