Jugendfilmtage 2026

Autor Christian Frey

Datum 26.02.2026

Wie viele Sprachen braucht ein Land, um wirklich alle Menschen zu erreichen? Diese Frage stellten sich Schülerinnen und Schüler der Bezirksschule am Landenhof.

Unter dem Titel „5. Landessprache“ beschäftigen sich Jugendliche intensiv mit der Bedeutung der Schweizer Gebärdensprache (DSGS) und ihrer möglichen Anerkennung als fünfte offizielle Landessprache der Schweiz. Wobei der Titel eigentlich nicht genau zutrifft, gibt es doch in der französischen und italienischen Schweiz auch die entsprechende Gebärdenspräche.  

Ausgangspunkt des Projekts ist eine einfache: Ungefähr 30’000 Menschen in der Schweiz nutzen Gebärdensprache täglich als ihre primäre Kommunikationsform – doch offiziell anerkannt ist sie bis heute nur teilweise. Es gibt noch viele Barrieren für gehörlose Menschen. 

Die Schulklasse untersucht deshalb, wie Inklusion funktionieren könnte, wenn die Gebärdensprache denselben Status erhielte wie Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. 

«Für viele hörbehinderte Menschen ist die Gebärdensprache nicht nur ein Hilfsmittel, sondern ihre Muttersprache», erklärt eine Schülerin. «Dass diese Sprache in der Schweiz nicht vollständig anerkannt ist, fühlt sich unfair an.» 

Im Rahmen des Projekts trafen die Jugendlichen auf Menschen aus der Gehörlosengemeinschaft. In den Interviews merkten sie, dass es unterschiedliche Ansichten und Forderungen dazu gibt. Die Hindernisse im Alltag bezeichneten alle als noch zu gross. Bei den Gesprächen mit gehörlosen Menschen stellten sie fest, wie Ausdruck, Mimik, Körperhaltung und Rhythmus in der Gebärdensprache eine wichtige Rolle spielen – und wie reich und nuanciert die Sprache ist. 

Besonders eindrücklich war der Austausch mit dem Gehörlosenverband aus Südafrika, wo die Gebärdensprache bereits national anerkannt ist. Diese Vergleiche zeigten den Schülerinnen und Schülern, dass eine offizielle Anerkennung nicht nur möglich, sondern gesellschaftlich wertvoll sein kann. 

Das Projekt ist bewusst offengehalten – die Jugendlichen gestalten einen Film, Interviews, Social Media und sogar einen RapText über Inklusion und Barrieren im Alltag. Ziel ist es, Menschen zum Nachdenken zu bringen:Text über Inklusion und Barrieren im Alltag. Ziel ist es, Menschen zum Nachdenken zu bringen: 

  • Wie fühlt es sich an, in einer Gesellschaft zu leben, in der die eigene Sprache nicht vollständig sichtbar ist? 

  • Welche Verantwortung trägt die Mehrheit? 

  • Wie könnte eine Schweiz aussehen, in der niemand sprachlich ausgeschlossen wird? 

Der entstandene Film wird Freitag, 13. März 2026 an den 50. schweizerischen Jugendfilmtagen in der Kategorie B gezeigt. Die Klasse ist stolz darauf, dass sie dort ihren Film einem breiten Publikum zeigen kann. 

Was als Lernprojekt begann, hat sich inzwischen zu einem gesellschaftlichen Denkanstoss entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht nur die Bedeutung der Gebärdensprache für die Gehörlosencommunity kennengelernt – sie haben auch verstanden, dass Sprache immer auch Teilhabe bedeutet. 

«Wenn Gebärdensprache eine offizielle Landessprache wäre, wäre das ein starkes Zeichen für Inklusion», sagt ein Schüler. «Nicht nur für die Gehörlosen – für die ganze Schweiz.» 

Ob es jemals zur „fünften Landessprache“ kommt, ist offen. Doch das Projekt zeigt: Die Diskussion ist notwendig – und längst überfällig. 

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