Dagmar Meyer, Christoph Woodtli

Weiterbildung Landenhof

«Emotional-soziale Entwicklung und ihre Förderung bei hörbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen»

Input durch Frau Prof. Dr. Daniela Nussbaumer, Leiterin des Studienschwerpunkts Pädagogik für Schwerhörige und Gehörlose im Masterstudiengang Sonderpädagogik SHP an der HfH 

Daniela Nussbaumer gliederte ihren interessanten Vortrag in verschiedene Bereiche der emotional-sozialen Entwicklung. Die Sprache, die Interaktion, die Beziehung, der Peerkontakt und die Identität können zu Spannungsbereichen werden.

Die innerliche Sprache muss vorhanden sein, damit Emotionen erkannt werden und es nicht zu Missverständnissen auch innerhalb des Elternhauses kommt. Die verminderte Sprachfähigkeit erschwert einen Austausch über Befindlichkeit, Gefühle und Bedürfnisse. Weil die Interaktion, das aufeinander Eingehen im Gespräch in der Regel in hohem Tempo erfolgt, werden die Fähigkeiten des hörbeeinträchtigten Kindes gerne überschätzt. Das hat zur Folge, dass sie sehr schüchtern, stark verunsichert, unselbständig oder in der Sprache gehemmt sein können. Diese Überforderungen können sich in Abwehr gegenüber Anweisungen äussern oder das schwerhörige Kind überspielt es mit pausenlosem Sprechen, drängt sich in den Vordergrund oder verhält sich tyrannisch. Die Eltern – Kind Beziehung kann sich durch die frühe Diagnose der Hörbeeinträchtigung nicht im gleichen Mass entwickeln, weil die Eltern ihre Familie mit anderen vergleichen. Dadurch entsteht auf der Seite der Eltern Verunsicherung und das Kind fühlt sich einem Leistungsdruck ausgesetzt. Die Peerkontakte allgemein und nicht nur zu schwerhörigen Kindern ihrer Altersgruppe sind geringer, dadurch lernen sie weniger soziale Regeln kennen. Das sich Einfühlen, das Nachdenken über andere Menschen (Theory of Mind) setzt einen Wortschatz voraus und dadurch sind Reaktionen anderer Menschen für sie zum Teil schwer verständlich. Die Identitätsbildung der hörbeeinträchtigten Jugendlichen verläuft schwieriger, weil das gewünschte Selbstbild nicht mit dem wirklichen übereinstimmt. Daher ist es wichtig, dass sie eine positive Identität bilden und sie von den Eltern und der Gesellschaft akzeptiert werden. Sie vergleichen sich mit den hörenden Jugendlichen und kommen so in ständigen Stress, immer bereit zu sein, nichts zu verpassen. Das kann zu Erschöpfung führen, denn das aktive Zuhören bedingt eine längere Aufmerksamkeitsspanne. Ausserdem sind sie länger von Erwachsenen abhängig und können dadurch weniger ihr Leben selbst bestimmen.

Wie können hörbeeinträchtigte Kinder unterstützt werden? Indem sie früh erfasst werden, durch das hohe Engagement der Eltern, sie sich in einem sicheren Umfeld befinden, kompetent gefördert werden, dass ihnen Kontaktmöglichkeiten geboten werden und die Kommunikation in einem sensibilisierten Umfeld stattfindet. Soziale Kompetenzen müssen aufgebaut werden und Verhaltensweisen können durch Rollenspiele gelernt werden.

Damit sie später Erfolg im Beruf haben, bedingt eine möglichst grosse Teilhabe im sozialen Umfeld, mit guten sozialen Kompetenzen und am besten mit dem Kontakt zu anderen hörbeeinträchtigten Berufsleuten.

 

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