Interview mit Beat Näf, Gesamtleiter Landenhof

«Für uns sind Aussenbeziehungen ganz wichtig»

Der Landenhof ist als Kompetenzzentrum für Schwerhörigkeit in ein dichtes Netz von Institutionen und Organisationen eingebunden. Welche Bedeutung Kooperationen mit Behörden, Bildungseinrichtungen, medizinischen Stellen und Verbänden haben, erläutert Beat Näf, Gesamtleiter des Landenhofs, im Interview.

Beat Näf, Kooperationen haben für den Landenhof grosse Bedeutung. Weshalb?

Für uns als Kompetenzzentrum sind Aussenbeziehungen ganz wichtig. Der Landenhof bietet eine breite Palette von Angeboten an. Wir sind daher auf unterschiedlichen Gebieten gefordert und arbeiten mit einer Vielzahl von Partnern zusammen. In Bezug auf die Pädagogik sind das etwa die kommunalen und kantonalen Schulbehörden, die Schulpsychologischen Dienste, andere Sonderschuleinrichtungen für hörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche in der Deutschschweiz sowie die IV-Berufsberatungen.

Viele Schülerinnen und Schüler mit Hörbeeinträchtigungen besuchen öffentliche Schulen. Hier ist das Wissen des Landenhofs speziell gefragt. Wie läuft die Zusammenarbeit mit externen Lehrpersonen ab?

Wir haben im Kanton Aargau den Auftrag, hörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche in ihrer Ausbildung zu beraten und zu begleiten. Da sind wir auf vertiefte Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen, den Schulleitungen und manchmal auch mit der Schulpflege verschiedener Gemeinden angewiesen. Der Audiopädagogische Dienst informiert Lehrpersonen, Mitschülerinnen und Mitschüler darüber, wie hörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche verstehen und welche Bedürfnisse sie haben. Dabei kommen Aspekte der schwerhörigengerechten Kommunikation, der Unterrichtsgestaltung und der Einsatz von geeigneten technischen Hilfsmitteln zur Sprache. Oft sind die Audiopädagoginnen und Audiopädagogen auch an schulischen Standortgesprächen dabei.

Der Pädaudiologische Dienst des Landenhofs bietet umfassende medizinische und technische Hilfe an: von Abklärungen der Hörfähigkeit über die Anpassung von Hörgeräten und der Beratung bei Cochlea-Implantaten bis zur regelmässigen Kontrolle Interview mit Beat Näf, Gesamtleiter Landenhof «Für uns sind Aussenbeziehungen ganz wichtig» Beat Näf 15 der Hörfähigkeit. Nur Cochlea-Implantat-Operationen können am Landenhof nicht gemacht werden. Hier ist Kooperation gefragt.

Ja, wir arbeiten eng mit den CI-Zentren der Universitätsspitäler Basel, Bern, Luzern und Zürich zusammen. Nur sie dürfen solche Operationen vornehmen. Die Leiterin Pädaudiologie des CI-Klinikzentrums Basel, Dr. Annatina Bass, ist im Pädaudiologischen Dienst Landenhof konsiliarisch als Hals-Nasen-Ohren-Ärztin tätig.

Menschen, die hörgeschädigt sind, deren Angehörige sowie die unterstützenden Institutionen sind in der Schweiz gut organisiert. Es gibt eine Schweizerische Vereinigung der Eltern hörgeschädigter Kinder, pro audito schweiz, sonos und andere. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit ihnen?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landenhofs sind in den Vorständen einiger Verbände tätig. Ziel dieser Mitwirkung ist es, unseren Einfluss auf die Gestaltung des Lebens von Hörbeeinträchtigen – etwa bei Änderungen in der Hörgeräteversorgung bei Kindern oder bei Vernehmlassungen zu Gesetzesänderungen – geltend zu machen. Der Landenhof hat sich auch durch seine Mitarbeit in den Verbänden zu einer wichtigen Stimme entwickelt, die wahrgenommen wird.

Gut ausgebildete Fachleute sind für den Landenhof wichtig. Deshalb kooperiert er mit Ausbildungseinrichtungen für angehende Sozialpä- dagoginnen und schulischen Heilpädagogen.

Für uns ist es zentral, gut ausgebildete Leute anstellen zu können. Auf dem Stellenmarkt finden wir solche jedoch kaum, weil die Anforderungen an unsere Fachleute sehr spezifisch sind. Deshalb beginnen Interessierte ihre Ausbildung meistens bei uns am Landenhof: Angehende Sozialpädagoginnen und -pädagogen können bei uns einen der sieben Ausbildungsplätze belegen und die vierjährige studienbegleitende Praxisausbildung an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz absolvieren. Und an der Hochschule für Heilpädagogik (HFH) in Zürich können Lehrpersonen, die bei uns auf Primar- oder Sekundarstufe lehren, ein Masterstudium in schulischer Heilpädagogik mit Spezialisierung auf Schwerhörige und Gehörlose abschliessen.

Beat Näf, Ihre Aufgabe als Gesamtleiter des Landenhofs ist es unter anderem, über den Alltag am Landenhof hinauszuschauen. Sie arbeiten auf verschiedenen Ebenen mit den Kantonen zusammen.

Mit dem Kanton Aargau stehen wir in regem Kontakt. Er ist unsere Aufsichtsbehörde. Der Kanton nimmt unser Budget ab, kontrolliert unsere Rechnung und legt die Monatspauschalen fest. Über die Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten schliessen wir mit dem Kanton Leistungsverträge ab. Für Kinder aus anderen Kantonen ist der Landenhof der Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) unterstellt. Diese regelt die Finanzierungsmodalitäten für den Aufenthalt von Personen mit speziellen Betreuungs- und Förderungsbedürfnissen in sozialen Einrichtungen ausserhalb des Wohnkantons.

Der Landenhof ist auch in die Entwicklung von sonderschulischen Angeboten involviert. Aktuell arbeiten wir an der kantonalen Angebotsplanung für Sonderschulung für die Jahre 2019 bis 2022 mit. Wir vertreten hier die Interessen der hörbeeinträchtigten Kinder und Jugendlichen.

Der Landenhof ist auch international vernetzt. Beispiele?

Einmal jährlich trifft sich die Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Bildungseinrichtungen für Gehörlose und Schwerhörige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem grossen Kongress – 2008 war der Landenhof zusammen mit der Berufsschule für Hörgeschä- digte Zürich Gastgeber. Jeweils über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren da vor allem aktuelle Fragen der Pädagogik für Schwerhörige und Gehörlose. Aber auch medizinisch-technische Inputs bringen neue Erkenntnisse.

Ebenfalls einmal im Jahr treffen sich die Kinder und Jugendlichen des Landenhofs mit denjenigen des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte im süddeutschen Stegen zum Sporttag. Er findet alternierend jeweils in Stegen und in Unterentfelden statt.

Vielen Dank für das Gespräch

 

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