Von der Taubstummenanstalt zum Kompetenzzentrum

Vor 180 Jahren wurde in Aarau die Taubstummenanstalt gegründet. Heute heisst sie «Landenhof – Zentrum und Schweizerische Schule für Schwerhörige» und ist ein führendes Kompetenzzentrum für die Ausbildung und Betreuung schwerhöriger Kinder und Jugendlicher. Im Folgenden gewinnen Sie spannende Einblicke in das Geschichtsbuch des Landenhofs.

1800

1836

Taubstummenanstalt wird gegründet

Mitte des 19. Jahrhunderts leben im Kanton Aargau viele hörgeschädigte Menschen. Eine «Taubstummenzählung» im Jahr 1835 ergibt, dass 960 der rund 180'000 Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons betroffen sind. Auf Initiative des einflussreichen liberalen Denkers Heinrich Zschokke wird ein Jahr danach die Stiftung Taubstummenanstalt Aarau gegründet. Erste Trägerin ist die Kulturgesellschaft des Bezirks Aarau, deren Präsident Zschokke ist. Erstes Domizil der Taubstummenanstalt ist die ehemalige Baumschule in Rombach bei Aarau.

1851

Umzug nach Aarau

Für zwei Jahre zieht die Taubstummenanstalt in die «alte Gerbe» am Aarauer Ziegelrain um. Dieses Provisorium ist eng und lässt die Stiftung umgehend neue Räume suchen. Für die nächsten 24 Jahre mietet sie ein Haus an der Ecke Laurenzenvorstadt / Bahnhofstrasse in Aarau.

1876

Stiftung kauft das Bauerngut Landenhof

Die Stiftung erhält ein eigenes Haus: Der Aarauer Kaufmann J. Brunner bietet ihr sein Bauerngut Landenhof in Unterentfelden an. Die Kulturgesellschaft ist begeistert und kauft das Gut mit 16 Jucharten (5,67 Hektaren) Garten, Wiesen und Ackerland für 31'000 Franken.

1877

Einzug in den Landenhof

Im August zieht die Taubstummenanstalt in ihr neues Heim. Eine Schilderung aus jener Zeit widerspiegelt die Freude am neuen Besitz: «Der Landenhof befindet sich eine Viertelstunde von der Stadt Aarau auf der südlichen Abhaldung des Distelberges an gesunder, sonniger Lage. Er ist mit Quellwasser reichlich versehen. Das massive, von Stein erbaute, zweistöckige Wohngebäude gewährt von aussen einen freundlichen Anblick und enthält im Innern eine Anzahl heller, geräumiger Zimmer. (…) Das Heim liegt, gegen Norden und Westen geschützt, frei sich öffnend gegen das zu Füssen liegende idyllische Suhrental mit dem herrlichen Abschluss durch den Kranz der Alpen.»

1900

1919

Ausbaupläne werden abgelehnt

In der Taubstummenanstalt wird es wieder eng. Sie meldet bei der aargauischen Baudirektion umfassende Ausbaubedürfnisse an. Grund dafür ist unter anderem die Befürchtung, dass ein möglicher Brand katastrophal enden könnte. Wegen zu hoher Kosten lehnt der Kanton Ausbauten ab.

1921

Hans Gfeller wird Leiter

Anfang des 20. Jahrhunderts geben sich Institutsleiter rasch folgend die Klinke in die Hand. Mit dem Vorsteher Hans Gfeller kehrt von 1921 bis 1947 Ruhe ein.

1927

Privates Geld macht Neubau möglich

Endlich kann der Landenhof erweitert werden. Nach vielen vergeblichen Bemühungen, die nötigen Finanzen aufzutreiben, kann der Fabrikant und Präsident der Landenhof‐Direktion Heinrich Kern einen grossen Erfolg verbuchen. Dank einer Sammlung bei Privaten, bei 233 Gemeinden sowie der Unterstützung durch die Pro Juventute können die fehlenden Mittel für einen Neubau eingebracht werden.

1930

1931

Neues Hauptgebäude wird eingeweiht

Das neue Hauptgebäude des Landenhofs wird eingeweiht. Die Taubstummenanstalt erhält damit ein repräsentatives und nach modernsten Grundsätzen der Zeit eingerichtetes Wohn‐ und Schulgebäude.

1940

1940

Der Name «Taubstummenanstalt» verschwindet

Der Landenhof gibt sich einen neuen Namen. Er wird von der «Taubstummenanstalt» zur «Schweizerischen Schwerhörigen‐Schule Landenhof» und erhält gleichzeitig eine Sekundarschule, einen Kindergarten und später eine Bezirksschule.


1947

Die Ära Tschabold beginnt

Auf die «Ära Gfeller» folgt Hans Tschabold. Bis zu seiner Pensionierung 1973 trägt er viel zur Konsolidierung und Weiterentwicklung des Landenhofs bei.


1950

1960

1967

Eröffnung des neuen Schulhauses

Ein neues Schulhaus wird bezogen. Es ist mit modernen Hör- und Sprechanlagen ausgerüstet und die Schülerinnen und Schüler sitzen erstmals an Einzelpulten. Das Gebäude konnte dank finanzieller Beteiligungen des Bundesamts für Sozialversicherung und des Kantons Aargau gebaut werden.

1970

1971

Der Audiopädagogische Dienst wird gegründet

Im Auftrag des Kantons gründet der Landenhof den Audiopädagogischen Dienst. Der APD berät und begleitet hörbehinderte Kinder und Jugendliche aus dem Aargau und umliegenden Kantonen.


1973

Verantwortung wird auf mehr Schultern verteilt

Die Verantwortung für den Landenhof wird nach der Pensionierung von Hans Tschabold auf mehr Personen verteilt. Die Leitung der Schule wird Herbert Grenacher übertragen, Heimleiter wird Werner Bärtschi, der nach einem Jahr von Willy Gutknecht abgelöst wird.



1980

1983

Sport wird gross geschrieben

Die neue Turnhalle mit Sportplatz wird eingeweiht.


1987

Eröffnung des Werkraumpavillons

Die Schülerinnen und Schüler des Landenhofs können nun in zweckmässig eingerichteten, attraktiven Werkräumen unter Anleitung Holz und Metall bearbeiten.


1990

1990

Zwei neue Gruppenhäuser schaffen Platz

Der Landenhof wird um zwei neue Häuser für Wohngruppen erweitert.


1995

Leitung wird neu gegliedert

Unter der Präsidentin Therese Eichenberger werden die Aufgaben zwischen Direktion und Institutsleitung neu verteilt. Die Direktion wird in Stiftungsrat umbenannt und kümmert sich künftig ausschliesslich um strategische Angelegenheiten. Der Landenhof wird von einem mehrköpfigen Team um den Gesamtleiter Beat Näf geführt.


1998

Landenhof mit neuem Leitbild

Der Landenhof gibt sich ein neues Leitbild und reformiert seine Strukturen. Die Institution heisst neu «Landenhof – Zentrum und Schweizerische Schule für Schwerhörige».
 Gleichzeitig lässt er ein neues visuelles Erscheinungsbild entwickeln, das 2005 überarbeitet wird.

1999

Der Pädaudiologische Dienst erhält neue Aufgaben

Bislang begleitete der Pädaudiologische Dienst des Landenhofs hauptsächlich Kinder des Landenhofs. Ab 1999 ist er zusätzlich Abklärungsstelle für Kinder aus dem ganzen Kanton Aargau. Kinder mit Hörbeeinträchtigungen versorgt er mit Hörhilfen, sowohl deren Eltern als auch schwerhörige Jugendliche berät er in allen medizinischen und technischen Fragen.


2000

2000

Landenhof führt 10. Schuljahr ein

Wer noch keine Lehrstelle gefunden hat oder noch nicht weiss, welchen Beruf er/sie erlernen will, kann ab dem Jahr 2000 ein Brückenjahr absolvieren. In diesem 10. Schuljahr erhalten die Suchenden Unterstützung und werden auf die Berufswelt vorbereitet.


2000

Der Psychologische Dienst öffnet seine Türen

In Zusammenarbeit mit den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten des Kantons Aargau wird am Landenhof ein Psychologischer Dienst aufgebaut.


2001

Schule und Internat beziehen neue Häuser

Der Landenhof wächst und entwickelt sich weiter. Das hat Folgen für das alte Landenhof-Bauernhaus. Es wird abgerissen und durch Neubauten für die Schule und das Internat ersetzt. Das Hauptgebäude von 1931 wird total saniert. Die neuen Häuser werden 2004 eröffnet.


2003

Erste Schweizer Mittelschule für Schwerhörige wird lanciert

Bereits seit den 1940er-Jahren unterrichtet der Landenhof an einer mehrgliedrigen Oberstufe schwerhörige Kinder und Jugendliche. Ab 2003 bietet er eine spezifisch auf die Bedürfnisse von Schwerhörigen ausgerichtete Ausbildung an einer Mittelschule an: Jugendliche mit einer Hörbeeinträchtigung werden in Klassen des Gymnasiums oder der Fachmittelschule der Neuen Kantonsschule Aarau integriert und durch den Audiopädagogischen Dienst des Landenhofs unterstützt und begleitet.

2006

Ein Übungsraum für Landenhofbands

Im neuen Pavillon gibt es für die Schülerinnen und Schüler des Landenhofs neu einen Jugendraum und ein Probelokal für die Landenhofbands.


2010

2011

Der Landenhof wird 175 Jahre alt!

Gebührend feiert der Landenhof seinen 175. Geburtstag: Der heimische Zirkus Monti gibt im Mai eine Galavorstellung, im Juni steigt die grosse Geburtstagsparty, kurz danach das Sommernachtsfest und im September schliesslich treffen sich 450 ehemalige Schülerinnen und Schüler des Landenhofs zum Austausch.


2012

Der Landenhof ist auch ein Solarkraftwerk

84'000 Kilowattstunden Strom liefert das Solarkraftwerk auf dem Dach des Schulhauses und zweier Internatsgebäude des Landenhofs jährlich. Damit können 20 Aargauer Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden. Die neue Photovoltaik-Anlage wurde von der IBAarau Kraftwerk AG finanziert und ist Teil des Engagements des Landenhofs für einen zukunftsgerichteten Umgang mit Energie. Seit dem 1. Februar 2013 bezieht der Landenhof ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Quellen.


2014

Kleines Jubiläum des Weiterbildungsforums

Im Turnus von drei Jahren – 2014 bereits zum fünften Mal – findet das Weiterbildungsforum des Landenhofs statt. Im Kultur- und Kongresshaus Aarau treffen sich über 250 Fachleute aus Medizin, Technik und Pädagogik, Eltern von schwerhörigen Kindern sowie ehemalige Schülerinnen und Schüler des Landenhofs. Sie lauschen den Referaten über soziale Netzwerke und deren Bedeutung im Alltag schwerhöriger Menschen.

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